KZ-Außenkommando Halberstadt (Krupp, „Maifisch“)

Anfang Januar 1944 erging vom Reichministerium für Rüstung und Kriegsproduktion die Aufforderung an das Grusonwerk des Krupp-Konzerns, seine Produktion von Sturmgeschützen aus dem ständig von Luftangriffen bedrohten Magdeburg zu verlagern. Zunächst war nur von einer oberirdischen Dezentralisierung die Rede. Am 10. Januar leitete das Rüstungskommando Magdeburg ein förmliches Verfahren zur Auffindung geeigneter Aufnahmebetriebe ein, deren Produktion für den Krupp-Betrieb hätte stillgelegt werden müssen. Doch am 21. Januar 1944 wurde Magdeburg Ziel schwerster Luftangriffe, die erhebliche Zerstörungen in den Magdeburger Industriebetrieben anrichteten. Das Grusonwerk war durch Brandschäden betroffen. Für das Rüstungskommando dürfte der Luftangriff der unmittelbare Anlass gewesen sein, nun für seinen Zuständigkeitsbereich die unterirdische Verlagerung der rüstungsrelevanten Großbetriebe einzuleiten. Noch im ersten Quartal 1944 fiel bei den Rüstungsbehörden die Entscheidung, im Hoppelberg bei Langenstein eine Stollenanlage zur Unterbringung des Grusonwerkes zu errichten.

Zur Vorbereitung der Maßnahme besichtigten Firmenvertreter am 14. April 1944 den Hoppelberg, Indiz dafür, dass die Verlagerung im Unternehmen nicht von langer Hand vorbereitet war und Erfahrungen, wie z. B. Junkers sie hatte sammeln können, fehlten. Dies zeigt auch der Vergleich mit dem benachbarten Thekenberg, wo Junkers die Bauarbeiten für sein Großserienwerk Malachit erheblich schneller voranbrachte. Bei einem weiteren Ortstermin am 3. Mai 1944 zur Prüfung des Hoppelberges „auf seine Eignung zur Aufnahme unterirdischer Räume“ nahmen für Krupps Grusonwerk der Generalbevollmächtigte für das Bauwesen, Baurat Poppe, und Oberingenieur Regius teil; bei einer anschließenden Besprechung mit dem Harzgeologen Professor Dahlgrün, dem Leiter des „SS-Führungsstabes B 2“ Obersturmführer Lübeck, und dem Junkers-Baustellenleiter im Thekenberg ging es offenbar um die Realisierung des Projektes. Unmittelbar darauf müssen die Bauarbeiten aufgenommen worden sein, denn das Rüstungskommando Magdeburg nennt in seinem Bericht für April bis Juni 1944, dass mit der „Fertigungsverlagerung des Krupp Grusonwerkes Magdeburg (…) in den Hoppelberg bei Halberstadt“ begonnen wurde. Der Verlagerungsbescheid des Speer-Ministeriums vom 23. Juni 1944 schrieb fest, der Maschinenpark für Rohre, Bodenstück- und Verschlussteile für 8,8-cm-Flak 41 KwK solle aus Magdeburg in den Halberstädter Hoppelberg verlegt werden. Das Bauvorhaben für im Endausbau 12.000 qm Produktionsfläche unter Tage erhielt den Decknamen „Maifisch“.

Aber die Arbeiten scheinen nicht mit der sonst üblichen Eile angegangen worden zu sein. Im Unterschied zur Vorgehensweise bei anderen Untertagebaustellen setzte „Maifisch“ relativ spät und nur wenige KZ-Häftlinge ein. Ende August 1944 unterrichtete der Bucherwalder Lagerkommandant Pister die zuständige Amtsgruppe D im SS-WVHA, dass die Zwangsrekrutierung von 500 Häftlingen für weitere Baumaßnahmen im Bereich Halberstadt beabsichtigt sei. Er legte dar, zwei „Baustellen in unübersichtlichem Gelände in unmittelbarer Nähe des bestehenden Lagers B 2 (Malachit)“ seien im Aufbau begriffen. Die Unterbringung der KZ-Arbeiter für den Ausbau sei im Lager B 2 vorgesehen, das auch die Verpflegung mit übernehmen könne. Nach den Planungen sollten 60 Häftlinge sofort und bis zu 200 innerhalb der nächsten 14 Tage für den Stollenausbau gestellt werden. Für sämtliche Arbeiten zur Herrichtung von „Maifisch“ waren 500 KZ-Insassen vorgesehen.

Die Ausstattung bis hin zu den Arzneimitteln sollte die OT übernehmen. In seinem Schreiben bat Pister um Genehmigung des Vorhabens und Zuweisung des erforderlichen SS-Personals, einen Kommandoführer und 35 Wachleute. Erst knapp ein halbes Jahr nach Baubeginn, am 8. und 23. Oktober 1944, erreichten zwei Transporte aus Buchenwald mit je hundert KZ-Zwangsarbeitern die Baustelle. Vom 24. Oktober 1944 bis Ende Januar 1945 zählte das Subkommando „Maifisch“ 198 Insassen. Danach wurde es aufgelöst und unter die Leitung des Kommandos Malachit gestellt. Daraus lässt sich schließen, dass die Arbeiten am Projekt „Maifisch“ Anfang 1945 eingestellt wurden, um die knappen Ressourcen in den letzten Kriegswochen auf das Junkers-Bauvorhaben im Thekenberg zu konzentrieren. Allein in den letzten vier Wochen von „Maifisch“ ließen auf der Baustelle im Hoppelberg acht Häftlinge ihr Leben.