Buchautor Frank Baranowski

Mein Interesse an zeit- und regionalhistorischen Themen wurde Ende der 1980er Jahre durch eine Schülerarbeit für die Robert-Bosch-Stiftung geweckt. Initiiert durch meinen damaligen Französischlehrer galt es, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von ausländischen Arbeitskräften und Zwangsarbeitern während der NS-Zeit in Göttingen und der Umgebung zu erforschen. Mein Part war es, die Geschichte des Polte-Werkes und des zugehörigen Buchenwalder KZ-Außenkommandos in Duderstadt, etwa 30 km südlich von Göttingen gelegen, aufzuarbeiten. Ein damals noch verdrängtes Kapitel der Duderstädter Heimatgeschichte. Meine Großmutter arbeitete während des Krieges in der von Polte am Euzenberg innerhalb weniger Jahre hochgezogenen Munitionsfabrik.

Mitte 1944 ließ sich der Bedarf an Arbeitskräften nicht mehr decken. Wie an anderen Standorten bereits vorexerziert, entschied die Magdeburg Konzernleitung auch in Duderstadt weibliche KZ-Häftlinge zu beschäftigen. Dafür waren Aufseherinnen erforderlich, die aus den Reihen der Belegschaft des Rüstungsbetriebes für Luftwaffenmunition zu stellen waren.

Besuch im Staatsarchiv Marburg (2015)

Um die Frauen für ihre neue Tätigkeit zu „qualifizieren“, mussten sie einen Lehrgang für Aufseherinnen im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück absolvieren. Meine Großmutter war als eine der Aufseherinnen auserkoren, doch weigerte sie sich mit den für sie daraus resultierenden Repressalien. Der Robert-Bosch-Preis konnte mit der Schülerarbeit gewonnen werden. Weitere Auszeichnungen folgten.

Dies war nicht nur Bestätigung, sondern zugleich Initialzündung für weitere Recherchen mit einem zunächst noch eingeschränkten regionalen Fokus. 1993 erschien meine erste Monografie zur Geschichte der Duderstädter Polte-Werke. Die Forschungen für dieses Buch offenbarten ein enges Netz an Zulieferern und eine enge Verstrickung mit anderen Rüstungsbetrieben der Region. Dies verleitete zu immer neuen „Missionen“. Das Gewicht der Archivbesuche verlagerte sich zusehends von kommunaler Ebene auf die Landes- auf Bundesarchive. Außerdem konnte ich die Bestände des „Service des Victimes de la Guerre“ (AVSG) in Brüssel sichten und zumindest Teile davon zu erschließen.

Gleichzeitig weitete sich der Radius meines Forschungsgebietes, das nunmehr den gesamten südniedersächsischen und nordthüringischen Raum erfasst, kontinuierlich weiter aus. Das juristische Studium erleichterte mir dabei den Zugang zu NS-Prozessakten und öffnete mir die Tür zu anderen Institutionen und Behörden, selbst zu Firmenarchiven größerer Unternehmen. In den Jahren hat sich viel Material angesammelt, das von mir archiviert und so für die Nachwelt gesichert wurde. Darunter über tausend historische Fotoaufnahmen von Lagern, Rüstungsbetrieben und Firmen. Ziel ist es, diese langfristig in die Bilderdatenbank dieser Seite einzustellen und so der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

In der Datenbank stehen diverse Texte von mir zum Abruf zur Verfügung.

Historische Veröffentlichungen von Frank Baranowski

  • Fremdarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge im Rüstungsbetrieb Polte in Duderstadt, in: Rüstungsindustrie in Südniedersachsen während der NS-Zeit, hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Südniedersächsischer Heimatfreunde e.V., Mannheim 1993, S. 248–316.
  • Der Duderstädter Rüstungsbetrieb Polte von 1938 bis 1945, Göttingen 1993.
  • Geheime Rüstungsprojekte in Südniedersachsen und Thüringen während der NS-Zeit, Duderstadt 1995.
  • Rüstungsindustrie in Holzminden, Bevern und Boffzen, in: Creydt, Zwangsarbeit für Rüstung, Landwirtschaft und Forsten im Oberwesergebiet 1939–1945, Band 3, Holzminden 1995, S. 243–248.
  • Das Lager „Steinbreite“ in Hardegsen, in: Südniedersachsen. Zeitschrift für regionale Forschung und Heimatpflege, Heft 2/1997, S. 42-46.
  • Rüstungsbetriebe in Südniedersachsen während der NS-Zeit, in: Südniedersachsen. Zeitschrift für regionale Forschung und Heimatpflege, Heft 4/1997, S. 101–108.
  • Das Außenkommando „Dachs IV“ in Osterode, in: Heimatblätter für den süd-westlichen Harzrand, Heft 53/1997, S. 143-148.
  • Zur Agglomeration von Rüstungswirtschaft und Zwangsarbeit in den Gipsgebieten am Südharz 1943–1945, in: NNA-Berichte, Gipskarstlandschaft Südharz – aktuelle Forschungsergebnisse und Perspektiven, Heft 2/1998, S. 197-207.
  • Rüstungsprojekte in der Region Nordhausen, Worbis und Heiligenstadt während der NS-Zeit, Duderstadt 1998.
  • Die verdrängte Vergangenheit. Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit in Nordthüringen, Duderstadt 2000.
  • Die Umwandlung von Kaliwerken im Südharzrevier zu unterirdischen Heeresmunitionsanstalten während der NS-Zeit, in: Sondershäuser Hefte zur Geschichte der deutschen Kaliindustrie, Heft 2, Sondershausen 2001.
  • Das Heerestanklager der Wifo im Heiligenstädter Pferdebachtal, in: Eichsfelder Heimatzeitschrift, Heft 11/2004, S. 397–399.
  • Das Außenkommando Abteroda („Bär/Anton“, Männerlager), in: Benz/Distel, Der Ort des Terrors, Band 3, München 2006, S. 358-360; Das Außenkommando Bad Gandersheim, Ebd., S. 374-376; Das Außenkommando Bad Salzungen („Heinrich Kalb“), Ebd., S. 379-380; Das Außenkommando Bad Salzungen („Ludwig Rentier“), Ebd., S. 380-382; Das Außenkommando Langensalza, Ebd., S. 484-486; Das Außenkommando Quedlinburg, Ebd., S. 550-551; Das Außenkommando Weferlingen („Gazelle“), Ebd., S. 599-602.
  • Kiefer I und II. Die ehemalige Munitionsfabrik in Herzberg, in: Matwijow, 1933–1945. „Spurensuche“ in Herzberg am Harz, Horb am Neckar 2009, S. 93-97.
  • Die kriegswirtschaftliche Bedeutung stillgelegter Kaliwerke während der NS-Zeit, in: Gezähekiste, Zeitschrift des Hessischen Landesverbandes e.V. im Bund Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V., Teil 1, Heft 8, Ausgabe 02/2011, S. 6-13; Teil 2, Heft 9, Ausgabe 01/2012, S. 8-15.
  • Neues zum Thema Heeresmunitionsanstalten – ein aktueller Fund, in: Gezähekiste, Zeitschrift des Hessischen Landesverbandes e.V. im Bund Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V., Heft 10, Ausgabe 02/2012, S. 5-7.
  • Rüstungsproduktion in Deutschlands Mitte von 1923 bis 1945. Südniedersachsen mit Braunschweiger Land sowie Nordthüringen einschließlich des Südharzes – vergleichende Betrachtung des zeitlich versetzten Aufbaus zweier Rüstungszentren, Langensalza 2013.
  • Heimkehle und Barbarossahöhle in den Fängen der Rüstungsindustrie, in Karst und Höhle 2011-2014, S. 113-122.
  • Die Heeresmunitionsanstalt Wolkramshausen, in: Zeitschrift des Hessischen Landesverbandes e.V. im Bund Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V., Heft 15, Ausgabe 01/2015, S. 15-19.
  • Die Heeresmunitionsanstalt Herfa-Neurode, in: Zeitschrift des Hessischen Landesverbandes e.V. im Bund Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V., Heft 16, Ausgabe 02/2015, S. 13-18.

Zeitgeschichtliche Vorträge von Frank Baranowski

  • 22.06.2000 anlässlich des 2. Sondershäuser Kalibergbauhistorischen Symposiums über die Umwandlung von Kaliwerken im Südharzrevier zu unterirdischen Heeresmunitionsanstalten;
  • 19.01.2001 über Heeres-Munitionsproduktionsbetriebe und Kaliindustrie in Thüringen 1934-1944/45 im Rahmen des Colloquiums zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der FU Berlin im Wintersemester 2000/2001 (Veranstalter: Prof. Dr. Lothar Baar, Humboldt-Universität, PD Dr. H. Berghoff, Humboldt-Universität, Prof. Drs. Dr. h.c. W. Fischer, Freie Universität und Prof. Dr. H. Volkmann, Freie Universität);
  • 11.06.2010 im Werra-Kalibergmuseum zum Anlass der Eröffnung der Sonderausstellung „Buchenwald war überall – die Außenlager des KZ Buchenwald in der Kaliregion an der Werra“;
  • 09.01.2104 „Es ist nicht wichtig wie, sondern dass wir überhaupt daran erinnert wird“. Interview zur Geschichte der Rüstungsproduktion in Südniedersachsen und Nordhthüringen;
  • 13.01.2014 Vortrag zum Thema „Rüstungsproduktion in der Mitte Deutschlands“ an den BBS II in Göttingen;
  • 13.03.2014 Buchvorstellung und Lesung auf der Leipziger Buchmesse;
  • 11.12.2014 Interview in Merkers mit einem MDR-Reporter zum Thema „Rüstungsaltlasten“;
  • 26.04.2016 Filmaufnahmen für die Sendung MDR Zeitreise unter dem Titel „Die Heimkehle – Geheime Höhlenwelt unterm Harz“.